Medientreffpunkt Mitteldeutschland

Stoffe, Kompetenzen, Märkte – Filme machen mit Osteuropa

Filmproduzenten: Es gibt gute Gründe für Osteuropa

Leipzig, 4. Mai 2011 – „Stoffe, Kompetenzen, Märkte – Filme machen in Osteuropa“ lautete der aussagekräftige Titel einer Diskussionsveranstaltung auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland. Auf dem Podium saßen neben dem Moderator Andreas Ulrich zwei Männer, die auf diesem Gebiet über reichlich Erfahrung verfügen: Hans-Werner Honert (Saxonia Media) und Dr. Thomas Weymar (Telepool). In zahlreichen Anekdoten machten die beiden Produzenten deutlich, wo die Chancen und die Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit Osteuropäischen Ländern liegen – und waren sich, dabei auch nicht immer einig. Klar ist: Gründe, nach Osteuropa zu schauen gibt es viele, wirtschaftliche wie künstlerische.

Es gibt viele Gründe, in Osteuropa Filme zu produzieren, da waren sich beide einig: angefangen von steuerlichen Anreizen und niedrigen Lohnkosten, was gerade bei personalintensiven Produktionen eine Rolle spielt, über das gute Handwerk der Menschen vor Ort bis hin zu hervorragenden und gleichzeitig unverbrauchten Schauspielern und neuen Locations. Gerade auch amerikanische Produktionsfirmen würden im osteuropäischen Raum immer dort produzieren, wo sich die günstigsten Bedingungen böten.

Auch Co-Produktionen waren ein Thema, die zwar fruchtbringend sein könnten, aber auch Schwierigkeiten mit sich bringen würden. Weymar erzählte, dass sein Versuch, Oxana Robskis Buch „Babuschkas Töchter“ in russischer Co-Produktion zu verfilmen, daran gescheitert sei, dass die Partner grundsätzlich verschiedene Auffassungen zum Umgang mit Autorenrechten hatten.

Auch über die Probleme mit den Verantwortlichen in Deutschland wurde gesprochen. Honert erzählte exemplarisch von einem deutsch-bulgarischen Projekt für Kinder, in dem die Hauptrollen von bulgarischen Kindern besetzt werden sollten, was bei den deutschen Verantwortlichen zunächst auf Entsetzen stieß. Honert beharrte auf seiner Besetzungsliste, das Projekt wurde ein voller Erfolg. „Der eiserne Vorhang im Kopf“, nannte er das Phänomen, das Unwissenheit und Überheblichkeit immer wieder stören würden.

Auch sei die Stoffsuche nicht immer einfach. Was das polnische Publikum für lustig hält, muss auf dem deutschen Markt nicht unbedingt funktionieren, und anders herum. Und „Wer behauptet, er wisse, was das Publikum will, lügt.“, so Honert. Dennoch gibt es Anhaltspunkte: „Jedes gute Drehbuch kann man auf eine Archaik herunter brechen“, sagte Weymar, etwa eine Dreiecksbeziehung oder die Strafe für technische Hybris.

Auch gebe es bei den Stoffen oft regionale Befindlichkeiten. So habe er erlebt, dass aus der Ukraine sehr pikiert Reaktionen kamen, als seine deutsche Firma das ukrainische Thema Tschernobyl mit einem deutschen Drehbuch verfilmen wollte. Anders als sein „demokratiebegabter“ Kollege Honert stünde er einer partnerschaftlichen Drehbuchentwicklung grundsätzlich eher skeptisch gegenüber.

Dennoch: Stoffe gibt es genug, man müsse sie nur finden, da waren sich Honert und Weymar einig. Und gerade weil grenzüberschreitende Produktionen auch Schwierigkeiten mit sich bringen würden, seien Partner wichtig, denen man vertrauen könne.

Pressekontakt:
Thomas Köhler, S-WOK
Telefon: 0341 – 301 81 81
Mobil: 0170 – 175 95 94
Telefax: 0341 – 301 81 82
E-Mail: koehler@s-wok.de

PDF zum Download: Stoffe, Kompetenzen, Märkte – Filme machen mit Osteuropa