Medientreffpunkt Mitteldeutschland

Soziale Netzwerke – Fluch oder Segen?

Soziale Netzwerke: Jede Handlung hat Folgen

Leipzig, 3. Mai 2011 – Auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland wurden heute unter dem Titel „Soziale Netzwerke – Fluch oder Segen“ diskutiert, wie facebook & Co. unser Leben verändern, und ob dies eine Veränderung zum Guten oder zum Schlechten ist. Das Podium war vielschichtig besetzt, um die Breite des Themas abzubilden: Christiane Sohn (CS Communication), Blogger und Kolumnist Peter Glaser, Verbraucherschützerin Friederike Wagner, Prof. Dr. Bernd Schorb von der Uni Leipzig, Dr. Maximilian Schenk (VZ Netzwerke) und Albrecht Steinhäuser (Medienanstalt Sachsen-Anhalt). Durch das Gespräch führte die Medienjournalistin Eleni Klotsikas.
 
Einer der zentralen Punkte war die Nutzung von Kindern und Jugendlichen. Prof. Schorb stellte fest, dass Kinder und Jugendliche die sozialen Netzwerke als „Verlängerung des Vormittages in den Nachmittag“ begreifen würden. Sie würden mit den Menschen kommunizieren, die sei auch am Vormittag in der Schule gesehen hätten.
 
Peter Glaser machte darauf aufmerksam, dass viele soziale Netzwerke den Jugendlichen suggerieren, es gäbe hier für sie einen Raum, den sie selbst – und nicht ihre Eltern – unter Kontrolle haben. Schorb ergänzte, dass Kinder „virtuelle Räume wie echte Räume wahrnehmen – und nicht merken, dass sie da nicht alleine sind“. Dr. Maximilian Schenk beeilte sich daraufhin zu versichern, dass Beleidigungen und andere unerwünschte Aktivitäten in vielen sozialen Netzwerken im Promillebereich liegen würden, und bei den VZ Netzwerken ernst genommen und bekämpft würden. Vielen Jugendlichen sei nicht klar, dass auch Handlungen im Netz folgen hätten, sagte Albrecht Steinhäuser.
 
Ein weiterer großer Themenkomplex war die Frage nach dem Datenschutz bzw. dem bewussten Umgang mit den Informationen, die in sozialen Netzwerken preisgegeben werden. Verbraucherschützerin Wagner warnte davor, dass man kaum Einfluss darauf habe, was mit diesen Daten passiert. Schorb formulierte es deutlicher: „Für den Kommerz sind wir nackt.“ Alle Diskutanten forderten mehr Aufklärung und ein besseres Bewusstsein für den Umgang mit persönlichen Daten – nicht nur bei Jugendlichen: „Auch 37-jährige lesen keine AGBs!“, bemerkte Wagner.
 
Außerdem wurde darüber diskutiert, welche Auswirkungen soziale Netzwerke auf die Gesellschaft haben. Dass dem so ist, darüber herrschte gar kein Zweifel in der Runde. So hätten Begriffe wie „sozial“ einen Bedeutungswandel erfahren, sagte Glaser. Früher hätte dieser Begriff mit Teilen oder mit Bedürftigkeit zu tun gehabt. Doch das „sozial“ in soziale Netzwerke hätte eine ganz andere Bedeutung. Schorb brachte noch einen weiteren Aspekt ins Spiel: Durch die Profilstrukturen von Facebook, StudiVZ und Co. werde die Selbstdarstellung einer Person durch einen Konzern vorgegeben. Dies habe auch jenseits des Computers Einfluss darauf, wie sich Jugendliche selbst sehen.
 
Doch bei aller kritischen Betrachtung wollte niemand die sozialen Netzwerke verteufeln. Auf die Abschlussfrage, ob diese nun ein „Fluch“ oder „Segen seien, sagte Steinhäuser, dass religiöse Sprache immer dann verwendet werde, wenn die Menschen nicht genau wüssten, womit sie es zu tun hätten. Da helfe nur eins: Aufklärung.

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