Rundfunk – Vielfalt, Zusammenarbeit, Markt
Gepostet am 04. Mai 2011 in Aktuelles, Pressetexte
Die jungen Leute im Internet abholen
Leipzig, 4. Mai 2011 – Wie kann man mit einem Vollprogramm im Fernsehen junge Zuschauer erreichen? Das ist beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig eine zentrale Frage der Diskussion „Rundfunk – Vielfalt, Zusammenarbeit, Markt“ gewesen. MDR-Intendant Prof. Udo Reiter schlug bei dieser Gelegenheit einmal mehr vor, einen gemeinsamen Jugendkanal von ARD und ZDF ins Leben zu rufen. „Mit Berichten über junge Christen in Afrika sind die jugendlichen Zuschauer nicht zu erreichen“, sagte Reiter. Doch ZDF-Justitiar Prof. Dr. Carl Eugen Eberle wies den Vorschlag als zwar diskussionswürdig, aber „unrealistisch“ zurück. Dafür werde viel Geld gebraucht, das die Politik wohl kaum genehmigen würde, so Eberle. Sachsen-Anhalts Staatsminister Rainer Robra konnte ihm da nur Recht geben. Schon der KI.KA habe die jungen Leute nicht an das öffentlich-rechtliche System herangeführt, spezielle Sender für jede Altersgruppe seien ein Irrweg. „Sie müssen die Jugendlichen im Internet abholen und das Hauptprogramm ansprechend gestalten“, schlug er als Lösungsmöglichkeit vor.
An der Parallelübertragung der „Prinzenhochzeit“ in ARD und ZDF entzündete sich die Diskussion über den Funktionsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. VPRT-Präsident Jürgen Doetz bezeichnete die Angelegenheit als unwürdig für den Gebührenzahler. Wenn Eberle davon spreche, dass die treuen ZDF-Zuschauer die Ausstrahlung auch in „ihrem“ Programm erwartet hätten, komme er mit einem schlechten Argument. ARD und ZDF hätten sich lächerlich gemacht. „Die Kapriolen kommen zur Unzeit, sie erschweren die Diskussion über den 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag“, warnte der Magdeburger Staatsminister Robra. Und sein sächsischer Kollege Dr. Johannes Beermann kritisierte, dass so etwas ja nicht zum ersten Mal passiert sei. „Programmtreue und Demenz schein hier eng beieinander zu liegen“, sagte er. Einen Mehrwert, wie ihn die Öffentlich-Rechtlichen zu erbringen hätten, könne er nicht erkennen. Beermann, der die Arbeitsgruppe Beitragsstabilität der Staatskanzleien leitet, zeigte dagegen Verständnis für den ebenfalls von Doetz kritisierten Erwerb der Fußball-Champions-League-Rechte durch das ZDF. „Die öffentlich-rechtlichen Programme brauchen Quote, sie sind nicht Reiters Reste-Rampe“, betonte er. Solange sich solche Aktivitäten im finanziellen Rahmen bewegten, habe sich die Politik herauszuhalten.
Wie zuvor in der Diskussionsrunde zum Rundfunkbeitrag sprach der Thüringer Medienstaatssekretär Peter Zimmermann von einer neuen Notwendigkeit der Begründung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Dabei gehe es um Ausgaben, Programmschwerpunkte und Finanzierung. Vor diesem Hintergrund konnte VPRT-Präsident Doetz Gemeinsamkeiten von öffentlich-rechtlichen und privaten Veranstaltern ausmachen. Er wünschte sich, dass die weitere Diskussion über den Funktionsauftrag zu neuen Ufern führt. „Wir Programmanbieter müssen uns gegenüber den neuen Wettbewerbern gemeinsam positionieren“, rief er auf. MDR-Intendant Udo Reiter stellte schließlich fest, dass das klassische Vollprogramm – öffentlich-rechtlich wie privat – eine Zukunft hat. „Es wir aber weniger Bedeutung als bisher haben“, sagte er. Parallel dazu würden die Angebote über eine Internet-Plattform per Abruf verbreitet.
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