Medientreffpunkt Mitteldeutschland

Preis und Leistung – Wie viel öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist gewünscht?

Ordnung in Rundfunk und Fernsehen

Leipzig, 4. Mai 2011 – Rundfunk und Fernsehen müssten wieder in Ordnung kommen, forderte der Chef der Staatskanzlei Sachsen, Dr. Johannes Beermann, auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland. In Anspielung auf die Hochzeit im britischen Königshaus sagte Staatsminister Beermann, wenn zwei öffentlich-rechtliche Anstalten über ein und dasselbe Ereignis berichteten, habe er seine Zweifel. „Das Ganze ist schon skurril.“ Zudem sei die Übertragung der Hochzeit kein Einzelfall gewesen. Sein Verständnis als Gebührenzahler sei ein derartiger „Ausdruck der Unordnung“ jedenfalls nicht. Hier müsse es eine Abstimmung geben und dafür werde man auch sorgen, so Beermann. NDR-Intendant Marmor wies die Kritik zurück. Es habe sich um ein weltweit beachtetes Ereignis gehandelt, so Marmor. Das Publikum habe zwischen den Sendern wählen können und die Zuschauer hätten sich für das Erste und den Adelsexperten Rolf Seelmann-Eggebert entschieden. Allerdings: „Es gab durchaus auch Diskussionen über das Thema.“ Dennoch seien ARD und ZDF gleichberechtigte Partner, zwischen denen es auch einen Wettbewerb gebe.

Prof. Dr. Wolfgang Donsbach von der TU Dresden erklärte, wenn sich die Ununterscheidbarkeit in Form und Inhalt begegne, schaffe sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk selbst ab. Mit den Milliardenbeträgen an Gebührengeldern müssten die Sender genau überlegen, wie sie sich die klügsten Köpfe heranzögen. Mittlerweile gebe es regelrechte „Exzesse“ wie im Sportrechte-Bereich. Millioneninvestitionen in die Fußball-Champions-League oder in den Boxsport hätten nichts mehr mit dem Programmauftrag zu tun. NDR-Intendant Marmor erwiderte, er sei zwar kein Fan des Boxsports, nehme aber das hohe öffentliche Interesse zur Kenntnis. Das sei eine Frage der Abwägung. Michael Kayser von BBC WORLD NEWS fragte: „Was ist Qualität?“ Bislang habe er immer gehört, Qualität sei Quote. Das finde er unsäglich, so Kayser. Er verstehe nicht, warum die Öffentlich-Rechtlichen auf die Quote schauten. Warum konzentrierten sie sich nicht einfach darauf, ein tolles Programm zu machen? Marmor betonte, die Öffentlich-Rechtlichen würden viel Geld für sehr gute Produkte wie etwa Dokumentationen ausgeben. Zugleich dürften die Sender aber die Zuschauerzahlen nicht aus den Augen verlieren. Es gebe eine Verantwortung vor dem Publikum. „Auch wir müssen immer wieder erklären, warum es einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt“, so Marmor weiter. Ein Grund dafür sei natürlich die Unabhängigkeit. „Unabhängigkeit zu verteidigen, ist eine der höchsten Aufgaben auch eines Intendanten.“

Staatsminister Beermann fügte hinzu, er sei gegen eine „Ethikkommission für die Öffentlich-Rechtlichen“. Man lebe in einer Demokratie und da existierten Verfahren, an die man sich zu halten habe. „Hier wird mit deutscher Gründlichkeit gearbeitet und da kommt auch was bei rum.“ Jetzt gehe es darum, immer wieder neu den Begründungszusammenhang des öffentlich-rechtlichen Rundfunks darzustellen. „Wir haben keine Vorstellung, die wir durchpeitschen wollen.“ Letztlich müssten alle Änderungen von allen 16 Bundesländern akzeptiert werden. Es sei aber zu fragen, ob Deutschland einen Auslandsrundfunk benötige. Kritik musste sich der Staatsminister von Prof. Donsbach anhören: Die Politik habe sich über Jahrzehnte zu stark in bestimmte Medienbereiche eingemischt, so Donsbach. Das zeigten beispielsweise wichtige Personalentscheidungen, die Einfluss auf mediale Inhalte hätten. „Da ist einiges aus dem Ruder gelaufen.“ Ein Problem gebe es immer dann, wenn die Politik denke, sie sei der „bessere Journalist“.

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