Nachrichtenstarke Zeiten – Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit, Hintergrund
Gepostet am 02. Mai 2011 in Aktuelles, Pressetexte
Das Chaos im Nachrichtenangebot sortieren
Leipzig, 2. Mai – Nachrichtenstarke Zeiten bieten große Chancen für guten Journalismus. Zugleich ist gerade in diesen Zeiten die Gefahr groß, dass Fehler gemacht werden, weil man manchmal zu schnell sein will. Das haben Chefredakteure und Studioleiter großer deutscher Medien beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland 2011 in Leipzig gesagt. An einem „nachrichtenstarken Tag“, wie Moderator Wolfgang Kenntemich vom MDR hervorhob – keine zehn Stunden nachdem bekannt geworden war, dass Terrorführer Osama bin Laden bei einer Militäraktion der US-Armee getötet worden war.
Dabei sei diese Meldung nur ein weiterer Höhepunkt einer nachrichtenstarken Zeit gewesen, die nach Ansicht von Deutschlandfunk-Chefredakteur Stephan Detjen spätestens mit der Sarrazin-Debatte begonnen hat. Seitdem seien immer wieder Themen wie die Guttenberg-Affäre, die Katastrophen in Japan und die Libyen-Krise „mit großer Wucht auf uns hereingebrochen“, so Detjen. Das könne auch dazu führen, dass andere Themen verdrängt werden. „Es ist eine Frage der journalistischen Kompetenz, auch solche Themen zu bringen“, betonte der Deutschlandfunk-Chefredakteur. Die Mediennutzer seien dankbar, wenn sie auch Informationen zu Themen bekämen, die nicht ohnehin ständig präsent seien.
Auch der Nachrichtenkanal n-tv hat festgestellt, dass das Zuschauerinteresse an Nachrichtenthemen seit Monaten auf hohem Niveau liegt. An Tagen wie dem heutigen, also dem des Todes von Osama bin Laden, setze n-tv durchaus auf monothematische Berichterstattung, sagte Co-Chefredakteur Martin Kerscher. Hier greife das Programm auf Korrespondenten der Mediengruppe RTL Deutschland zurück oder schicke Krisenreporter los. „Korrespondenten sind wichtig, weil sie Stimmungen transportieren und nicht nur harte Fakten“, so Kerscher. Ähnlich sieht es auch Nick Leifert, der Chef des ZDF-Hauptstadtstudios: „Korrespondenten können im Live-Gespräch den Wunsch nach mehr Hintergrundinformationen nicht einlösen“, sagte er. Im Zusammenhang mit Filmberichten und Expertengesprächen, also in der Vielfalt der Perspektiven und journalistischen Formen, könnten die Erwartungen der Zuschauer aber erfüllt werden.
Mediennutzer setzen nach Ansicht des Co-Chefredakteurs des Magazins DER SPIEGEL, Mathias Müller von Blumencron, ohnehin nicht mehr nur auf ein Medium. Sie wüssten, dass Radio und Fernsehen nicht die Komplexität eines Themas, und Print-Medien nicht die Emotionalität bedienen könnten. Hinzu kämen die starren Programm-Schemata im TV und der Redaktionsschluss im Print-Bereich. „Hier haben Online-Medien den Vorteil, dass sie keinen Redaktionsschluss haben und dass das Schema leicht verändert werden kann“, sagte Müller von Blumencron. Generell gelte für alle journalistischen Medien, dass sie aus der Menge der Informationen etwas generieren müssten, dass der Leser gut konsumieren könne. Beschleunigt durch die sozialen Netzwerke würden viele Nachrichten schnell herumschwirren. Marken, denen man Vertrauen entgegenbringe, müssten diese Informationen aufbereiten.
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