Meuterei im Mitmachnetz – Jugendschützer im Dialog mit der Netzgemeinde
Gepostet am 03. Mai 2011 in Aktuelles, Pressetexte
Jugendschutz zwischen Regulierung und Medienkompetenz
Leipzig, 3. Mai 2011 – Kinder und Jugendliche müssen vor gefährdenden Inhalten im Internet geschützt werden. Das war der Tenor einer Diskussionsveranstaltung der Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM) beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig.
Gravierende Unterschiede gibt es aber bei der realen Umsetzung dieses Zieles. Recht schnell kristallisierten sich im Verlauf der Diskussion zwei Fraktionen heraus. Staatliche und private Jugendschützer fordern klare rechtliche Regelungen, die verhindern sollen, dass Kinder und Jugendliche auf jugendgefährdende Web-Inhalte Zugriff bekommen. Auf der anderen Seite stehen die Befürworter schrankenloser Freiheit im Netz, die auf die Verantwortung kompetenter Mediennutzer setzen. Dem halten die Jugendschützer entgegen, dass die beste Medienerziehung Medienkontrolle nicht ersetzen könne. Als Beispiel nannte Verena Weigand von der Stabsstelle der KJM Eltern, die ihren Kindern aus verschiedenen Gründen gar nicht die entsprechenden Kompetenzen vermitteln könnten. Sei es, weil sie keine Lust oder keine Befähigung dazu hätten. Das ließ Jimmy Schulz von der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft im Bundestag nicht gelten. Der FDP-Politiker sagte, besser als jede Zensur sei es, den Kindern und Jugendlichen die Fähigkeit zu vermitteln, verantwortungsbewusst mit dem Medium Internet umzugehen. Er selbst halte zu dem Thema Vorträge in Kindergärten und Schulen, weil dort die Ansprechpartner säßen. Im Übrigen spiegle das Internet nur das reale Leben wider, das eben auch manchmal weniger schöne Seiten habe, wie man jeden Abend bei der Tagesschau sehen könne. Hier käme auch niemand auf die Idee der Zensur. Er selbst bestimme bei seinen minderjährigen Kindern den Internetkonsum. Wenn aber der Staat dies allen Bürgern vorschreibe, handele es sich um Zensur.
Dass das Internet lediglich ein Abbild des Lebens sei, bezweifelte Sabine Frank von der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia Diensteanbieter e.V. (FSM). Sie jedenfalls habe noch keine abgeschlagenen Köpfe im Alltag gesehen. In Web dagegen sei das problemlos möglich. Dem stimmte auch Verena Weigand zu und sagte, es sei zynisch, zu sagen, Kinder ohne Medienkompetenz wären nicht weiter beachtenswert. “Was passiert denn dann mit diesen Kindern und Jugendlichen?” Es könne nicht sein, dass diese allein gelassen werden, so Weigand. Sabine Frank stellte klar: “Jugendschutz ist keine Zensur!” Es handle sich vielmehr um ein “modernes Konzept, das sich nur auf bestimmte Inhalte” beziehe. Insofern sei auch die Bemerkung von Schulz unzutreffend. Diesem Argument widersprach der Konzeptkünstler und Medienaktivist padeluun. Für ihn ist jede Regulierung Zensur, weil damit ein “Großteil der demokratischen Gesellschaft über Bord geworfen werde“. Zensur sei der falsche Weg. “Wir müssen lernen, miteinander zu kommunizieren”, so der Vorschlag des Bielefelder Künstlers, der im Übrigen sowieso nichts von nationalen Alleingängen hält. Das Thema müsse, wenn überhaupt, international angegangen werden. Doch dafür ist die Zeit zu knapp, erwiderte Sabine Frank. Deshalb sei es besser, erst einmal nationale Regeln zu haben ehe man über internationale Lösungen spreche. Im Übrigen, so Frank, zeige sich, dass die Ansichten der beiden Seiten gar nicht so weit entfernt seien, was sie zuversichtlich in die Zukunft blicken lasse.
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