Medientreffpunkt Mitteldeutschland

Location-based Services – Bürgernähe als Geschäftsmodell

Zeitungen auf der Suche nach neuen Vermarktungsmöglichkeiten im Netz

Leipzig, 4. Mai 2011 – Das klassische Anzeigengeschäft von Lokalzeitungen kommt zunehmend durch internet-basierte Services unter Druck, die regionale Handels- und Dienstleistungsangebote vermarkten. Die Printmedien versuchen, dieser Konkurrenz durch eigene neue Marketing-Ideen Paroli zu bieten. Über Chancen und Schwierigkeiten diskutierten Vertreter von Zeitungen und Vermarktungsexperten auf dem Panel „Location-based Services“ der Leipzig School of Media beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig.

So genannte Location-based Services wie Qype, Foursquare oder Groupon bieten lokalen Wirtschaftsunternehmen neue Möglichkeiten der Vermarktung. Dass das auch Einflüsse auf die Werbewirtschaft regionaler Tageszeitungen hat, bestätigte Holger Herzberg, Leiter des Geschäftsbereichs Neue Medien bei der Leipziger Volkszeitung: “Wir bei der LVZ haben schon lange erkannt, dass die gedruckte Zeitung nur eine der Möglichkeiten ist, an unsere Inhalte zu kommen.” Die Printausgabe sei letztlich nur eines der “Endgeräte” neben PCs oder mobilen Endgeräten, um auf das Angebot seiner Zeitung zuzugreifen. Die LVZ biete schon lange ein Bouquet an, das auf verschiedenen Wegen genutzt werden könne. Das habe natürlich auch seine Auswirkung auf die Werbeformen. Neben der klassischen Printwerbung stünden daher auch neue Werbe- und Marketing-Formen im Onlinebereich zur Verfügung, so der Verantwortliche für Neue Medien bei der LVZ. Diese würden in seinem Haus schon rege genutzt. Hier setzte die Kritik von Volker Zanetti, einem Experten für Onlinevermarktung und Medien-Services, an. Seiner Meinung nach nutzen die Printverlage viel zu wenig die neuen Möglichkeiten der Vermarktung im Internet. Das habe auch Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit regionalen Werbekunden. Lokale Printanbieter müssten ihre bisherigen Werbekunden viel mehr als bisher als Partner begreifen. “Lokale Anbieter müssen in die Verantwortung gehen, nicht nur Werbefläche verkaufen”, so Zanetti. Gefragt seien neue Formen des Marketings und eine Verabschiedung vom Bestandsschutzgedanken.

Medienwissenschaftler Michael Haller legte den Schwerpunkt auf eine Veränderung im Medienverhalten unterschiedlicher Altersgruppen. Seien bei der Generation über 40 noch Nachrichten und Berichte wichtig, die sie sich über das gedruckte Medium holt, so sei die Zeitung bei den Jüngeren so gut wie abgemeldet. Leute unter 30 informierten sich viel mehr übers Internet und hätten auch andere Interessen. Darauf müssten auch die Zeitungen bei ihren Angeboten reagieren. “Eine bloße Internetausgabe der gedruckten Zeitung wird daher nicht ausreichen und jüngere Leute nicht interessieren”, prophezeite Haller. Dem stimmte auch Florian Treiß zu, der die Website “mobilbranche.de” betreibt. Untersuchungen hätten gezeigt, dass vorwiegend jüngere Leute Location-based Services nutzten. Darauf müsse sich die Branche einstellen.

Um regionale Leser anzusprechen müssen sich die Verlage außerdem stärker um eine genaue Adressierung ihrer Kunden kümmern. Das so genannte “Targeting” könnten nur große nationale Vermarktungsexperten leisten, betonte Klaus Ahrens von der Vermarktungsfirma pilot1/0. Diese könnten dann den regionalen Anbietern helfen, ihre Leser schneller und vor allem präziser zu erreichen. Dies sei der LVZ schon recht gut gelungen, erwiderte Herzberg. Mit eigenen LVZ-Angeboten, wie “Sachsendeal” würden ganz konkret die Leute aus der Region angesprochen und das Konzept gehe immer besser auf. “Ich kann ihnen sagen, dass wir damit schon Geld verdienen, wenngleich es immer noch nicht genug ist”, so der Online-Chef der LVZ.

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