Medientreffpunkt Mitteldeutschland

Kirchentag, Papstbesuch und die Medien

Kirche und Medien – Heilige Allianz oder Zweckbündnis?

Leipzig, 3. Mai 2011 – Die evangelische und die katholische Kirche sehen die Medien in der Pflicht, stärker über Fragen des Glaubens zu berichten. Der Deutsche Evangelische Kirchentag im Juni in Dresden und der Deutschland-Besuch des Papstes im Herbst böten dafür hervorragende Voraussetzungen, erklärten Sachsens evangelischer Landesbischof Jochen Bohl und Bischof Dr. Joachim Wanke vom katholischen Bistum Erfurt auf dem “Medientreffpunkt Mitteldeutschland” in Leipzig. Im Zentrum der Diskussionsrunde “Kirchentag, Papstbesuch und die Medien“ in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Medienverband in Sachsen stand auch das Verhältnis von kritischer Medienberichterstattung und Religion.
 
MDR-Intendant Prof. Dr. Udo Reiter betonte, dass „die Vermittlung von christlichen Grundlagen, die unsere Kultur geprägt haben“, im Vordergrund der medialen Begleitung von Großereignissen wie dem Kirchentag oder dem Papstbesuch stehen werde. Weiterhin verwies Reiter auf die Kooperation von MDR und Kirchentag, die eine aktive Beteiligung des MDR an der Veranstaltung vorsehe. So würden dem Publikum auf dem Kirchentagsgelände Nachrichtenbeiträge von „MDR aktuell“ auf einer Leinwand gezeigt, die dann als Anregung für Fürbitten der Kirchentagsteilnehmer dienen sollen. Zugleich warnte Reiter aber auch davor, dass die Kirchen im Umgang mit den Medien zu sehr vom Kern ihrer Botschaft abrücken könnten.
 
Demgegenüber sagte Landesbischof Jochen Bohl (Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens), dass die Inhalte der Kirche eher „abständig vom Mainstream“ seien. So entwickle sich etwa im Osten bei vielen Menschen eine neue Form von persönlicher Neugier auf den Glauben, die der medialen Aufmerksamkeit oft verborgen bleibe. Dagegen könnte mit Hilfe der Medien von Ereignissen wie dem Kirchentag, auf dem rund 2200 Veranstaltungen unter großer ehrenamtlicher Beteiligung stattfinden werden, „ein Bild von Kirche ausgehen, das viele nicht für möglich gehalten hätten“.
 
Bischof Dr. Joachim Wanke (Bistum Erfurt) betonte, dass der Besuch des Papstes in Thüringen eine Geste der Verbundenheit mit den neuen Bundesländern sei, der den Blick für das religiöse Leben weiten könne. Mit der Ökumene als Schwerpunkt der Papstreise würden „Bilder entstehen, die um die Welt gehen werden“. Allerdings müsse man dabei „beim Eigenen bleiben, aber das Eigene in den Kontext des Heute stellen“.
 
Der Papstbesuch werde eine große Nachfrage nach Bildmaterial generieren, sagte Wolfgang Büchner (Chefredakteur dpa). Darüber hinaus könne ein größerer Nachrichtenwert entstehen, wenn die Kirchen auf den bevorstehenden Veranstaltungen Stellung zu aktuellen und lebensnahen Themen beziehen würden. Die Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum 2017 seien ein weiteres nationales Thema, dass auch die dpa für ihre Kunden angemessen aufgreifen werde.
 
Elmar Theveßen (stellvertretender Chefredakteur des ZDF) sagte, dass es zwar Teil des öffentlich-rechtlichen Programmauftrags sei, gesellschaftliche Ereignisse abzubilden, das beinhalte aber auch eine kritische journalistische Bewertung. So sei es aus journalistischer Sicht spannend geworden, über Kirche und Religion zu berichten, allerdings müssten sich die Kirchen auch Fragen nach den drängenden Themen der Zeit gefallen lassen und diese aus der Sicht des Evangeliums beantworten können.

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