Förderung der Medien- und Kreativwirtschaft – Angebote und Erfahrungen
Gepostet am 02. Mai 2011 in Aktuelles, Pressetexte
Geld, Beratung und die Angst vor dem Papier
Leipzig, 2. Mai 2011 – Auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland behandelte ein Panel der Stadt Leipzig das Thema „Förderung der Medien- und Kreativwirtschaft”. Zu der gut besuchten Gesprächsrunde waren sowohl Unternehmer aus der Branche als auch Förderer eingeladen, durch das Gespräch führte Benjamin Galler (BENDITentertainment).
Dass ohne Geld auch aus der schönsten Idee nichts werden kann, ist eine Feststellung, die nicht weiter überraschen kann. „Ohne Cash kein Content“, brachte es Christian Bollert vom Internetradiosender detektor.fm auf den Punkt. Doch Privatbanken sind nach der Erfahrung der Anwesenden eher zurückhaltend, wenn es um Gründungen in der Kreativbranche geht, während privates Beteiligungskapital für kleine Firmen mit kleinem Finanzbedarf, wie sie in der Branche nun mal häufig vorkommen, kaum zu bekommen ist. „Ohne staatliche Banken wäre es sicher nicht gegangen“, sagte Christian Metzeler, geschäftsführender Gesellschafter bei webvariants.
Doch noch vor der Geldbeschaffung, die auf dem Panel selbstverständlich auch diskutiert wurde, gibt es für junge Unternehmer eine weitere Hürde zu nehmen: Die der Beratung. Beratung ist wichtig, da waren sich alle einig. Doch als Bollert von den zahlreichen „Beratern, auf die man besser nicht hören sollte“ erzählte, die ihm in der Gründungsphase über den Weg gelaufen seien, herrschte einvernehmliches Nicken auf dem Podium – sowohl Gründer als auch Förderer haben mit diesem Phänomen Bekanntschaft gemacht.
Katrin Sergejew, die mit ihrem Label kaseee Mode in kleinen Stückzahlen produziert, erzählte ebenfalls, wie schwierig es ist, einen Berater zu finden, bei dem man sich gut aufgehoben fühlt. Hier lautetet die einhellige Empfehlung, sich mit Fragen zur Existenzgründung an seriöse Institutionen zu wenden: Kommunen, Universitäten und Sparkassen. Nicole Steffens (Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft), verwies darauf, dass es auch auf die Lebenssituation – Existenzgründung nach langer Arbeitslosigkeit oder direkt nach dem Hochschulabschluss – ankommt, welcher Berater passend ist.
Ein weiteres Thema war die Angst vor dem Papier, vor den zahlreichen Anträgen und Schriftstücken mit denen sich jeder Unternehmer, der einen Kredit oder eine Förderung beantragen möchte, auseinandersetzen muss. Während Metzeler nur halb im Spaß bezweifelte, dass all die abverlangten Schriftstücke je gelesen würden, verwies KfW-Bankerin Silke Apel darauf, dass hier öffentliche Gelder ausgereicht würden. Das müsse dann eben entsprechend dokumentiert werden.
Einig war man sich auch darüber, dass die Kreativwirtschaftsvereine in Zukunft eine größere Rolle zur Netzwerkbildung und bei der Lobbyarbeit spielen müssten. Zwar sei Kreativwirtschaft nicht gleich Kreativwirtschaft und eine Spezialisierung auch hier nötig, wie Bert-Morten Arnicke (Univation, Projekt Kreativmotor) bemerkte. Doch Christian Metzeler, der auch ehrenamtlich im Verein Kreativwirtschaft Sachsen-Anhalt e.V. tätig ist, ist der Überzeugung: „Man kann gar nicht genug miteinander reden“.
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