Medientreffpunkt Mitteldeutschland

Definitiv abseits? Familien im Spannungsfeld von Medien und Erziehung

Medienkompetenz – Mehr tun als reden

Leipzig, 2. Mai 2011 – Internet, soziale Netzwerke und Computerspiele bieten ein großes Potential für die Kommunikation in der Familie und im Freundeskreis. Aber sie bringen auch Probleme mit sich, die nur mit einer umfassenden Medienerziehung bewältigt werden können. Diese nicht ganz neue Erkenntnis haben Medienforscher, Medienmacher und gesellschaftlich Verantwortliche auf einem Panel der Thüringer Landesmedienanstalt beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig betont. Jochen Fasco, der Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM), rief dazu auf, Verantwortung im Umgang mit den Medien bei jedem zu entwickeln. Das betreffe sowohl die Medienrezeption, als auch die Interaktion zum Beispiel in öffentlich zugänglichen Netzwerken. „Die Politik muss umdenken und mehr Geld für Medienbildung zur Verfügung stellen oder wenigstens nicht streichen“, sagte Fasco. Sonntagsreden allein seien zu wenig. Dabei würde er sich auf die Schulen konzentrieren. „Hier erreichen wir Kinder aus allen Milieus, aber auch ihre Eltern und die Lehrer“, so der TLM-Direktor. Doch nicht nur die Politik sei in der Pflicht, auch wer vom Internet profitiere, solle für Medienkompetenzprojekte mehr Geld geben.

Die Frage nach dem Verursacherprinzip stellte ebenso Reinhard Müller vom PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverband Thüringen. Es könne nicht sein, dass in diesem Bereich die Gewinne privatisiert werden, die Kosten aber der Staat tragen müsse. Allerdings fragte Müller auch, was eigentlich eine vernünftige Mediennutzung sei. „Es sollte doch vor allem um Kommunikation in der Familie gehen, die in gemeinsamen Aktionen mündet“, sagte er. Ein gemeinsamer Fernsehabend sei zu wenig. „Sonst haben wir mehr Apathie als Beteiligung“, so Müller.

Die Erfurter Professorin für Kindermedien, Dr. Sandra Fleischer, sagte: „Wir müssen die Eltern als Partner ernst nehmen, sie ermutigen, ihren Kindern Aufmerksamkeit zuzuwenden.“ Gleichwohl müsse den Eltern auch Medienwissen vermittelt werden, jedoch nicht durch Belehrung. „Wir sollten die Eltern zum Gespräch einladen“, so Fleischer. Es gebe aber auch viele Eltern, die fit seien im Umgang mit den Medien und ihren Kindern ein gutes Vorbild sein könnten. Auf eine Studie zum Umgang mit den Medien in benachteiligten sozialen Milieus verwies Dr. Ulrike Wagner vom Münchener JFF – Institut für Medienpädagogik. Diese habe gezeigt, dass Eltern im Umgang zum Beispiel mit Computerspielen durch unkritisches Verhalten auch ein schlechtes Vorbild sein können. „Da ist es wichtig, die elterliche Erziehungskompetenz im Allgemeinen zu stärken“ sagte sie. Auf der anderen Seite sei deutlich geworden, dass Kinder und Jugendliche mit der Technik auch neue Kommunikationsmöglichkeiten in die Familie bringen. „Eine zugewanderte Familie hatte per Videochat wieder mehr Kontakt zu ihren Verwandten in der Türkei“, beschrieb Wagner ein Beispiel. Sie forderte mehr Gelassenheit in der Debatte, sieht aber auch die Medienmacher in der Pflicht.
Die waren auf dem Podium allerdings nur mit einer Person vertreten, Astrid Plenk vom MDR. Die Redaktionsleiterin für Kinder und Soziales konnte auf ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung verweisen, an dem sich die Redaktion mit der Serie „Schloss Einstein“ beteiligt hat. Die Hauptverantwortung aber hätten die Eltern: „Sie sollten mit den Kindern über die Inhalte von Sendungen reden und sich auch mal etwas mit anschauen“, forderte Plenk.

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