Medientreffpunkt Mitteldeutschland

Berichterstattung vor der Haustür – Wie ist das Lokal-TV aktuell aufgestellt?

Studie Funkanalyse 2011: Lokale TV-Nutzung steigt leicht

Leipzig, 4. Mai 2011 – Die Lage der 58 lizensierten regionalen und lokalen TV-Sender in Sachsen darf als stabil bezeichnet werden. Ihre Nutzung weist sogar eine leicht steigende Tendenz auf. Nach den Ergebnissen der am Mittwoch auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig vorgestellten “Funkanalyse des ortsnahen Fernsehens in Sachsen 2011″ der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) kann jeder zweite Sachse ab einem Alter von 14 Jahren mindestens einen dieser Sender empfangen, rund 1,8 Millionen Menschen in mehr als einer Million Haushalten. Auch außerhalb ihrer jeweiligen Einzugsgebiete erreichen die Sender täglich rund 41 Prozent ihrer potenziellen Nutzer.

Seit 2003 gibt die SLM jedes Jahr eine Analyse des privaten, lokalen und regionalen Fernsehens in Sachsen in Auftrag, laut Andreas Richter von der SLM, um Lizenznehmer in ihrer Entwicklung beurteilen zu können und als Hilfe bei der Vermarktung. Zuletzt übernahm das Unabhängige Meinungsforschungsinstitut INFO aus Berlin die Aufgabe und führte im Herbst 2010 umfangreiche Telefon-Befragungen durch.

Die Meinungsforscherin Sindy Krambeer zeigte sich überrascht über die in Sachsen angetroffene Vielfalt – von Leipzig Fernsehen, über KabelJournal, Television Zwickau bis zur Elsterwelle, um nur einige der Sender zu nennen. Ihre Zuschauer sind Krambeer zufolge im Durchschnitt 50 Jahre alt. „Man müsste jüngere bekommen“, meinte sie mit Blick auf die etwas andere Situation in Berlin und die aus Sicht der Werbung relevanten Zielgruppen.

Einen Einblick in den vor allem wirtschaftlich nicht immer leichten Alltag bot Babett Schortmann vom Vogtland Regional Fernsehen. Ihr helfen solche Zahlen und Daten sehr: „Mit den Mädels aus der Marketing-Abteilung wird das natürlich aufgearbeitet“, auch als Argumentationsgrundlage für den Verkauf von Werbeplätzen. Hier sind die kleinen Sender nach Schortmanns Worten „immer auf hoher See“. Schließlich bekämen sie keine anderen Gelder als die, die sie sich in Konkurrenz um begrenzte Werbebudgets neben Zeitungen, Radiosendern und Anzeigenblättern erkämpften. Auch darum spiele Crossmedia-Marketing in Kooperationen, auch wenn es Versuche dazu gegeben habe, keine große Rolle.

Nach Marketing-Bedürfnissen richtet sich oft auch die Programmgestaltung, räumt Schortmann ein. Wenn ein Gesundheitsthema oder ein Beitrag über erneuerbare Energien laufe, komme die Anregung nicht selten aus dem Marketing, von dem es heiße: „Das und das Thema können wir gut verkaufen“. Anderes komme jedoch nicht unter die Räder, versichert Schortmann. Heimatverbundenheit etwa spiele eine ebenso große Rolle.

Aktuelle Berichterstattung jedoch „konnten wir wirtschaftlich nicht durchstehen“, sagt Schortmann. „Die Werbekunden zahlen nicht mehr, weil wir täglich Vogtland news machen.“ Das sei personell und zeitlich nicht zu schaffen gewesen. „Wir wechseln nicht das täglich das Programm, sind eher eine Wochenzeitung“, nur der Sport komme montags aktuell.

Mit Blick auf das Alter des Publikums sagte Schortmann: „Ja, wir müssen an uns arbeiten, wenn wir jüngere Leute gewinnen wollen.“ Dabei sei das Image der kleinen Lokalen gar nicht so schlecht: „Uns gibt es seit 17 Jahren, das ist gewachsen.“

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