Always online – Wer wird König im digitalen Schlaraffenland?
Gepostet am 02. Mai 2011 in Aktuelles, Pressetexte
Digitalisierte Medienwelt bringt Vorteile für alle
Leipzig, 2. Mai 2011 – Die Digitalisierung der Medienwelt bringt für Industrie wie Verbraucher große Vorteile und Erleichterungen. Die Medienanbieter hoffen auf neue Einnahmen und versprechen ihren Kunden innovative Angebote. Beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig diskutierten Experten auf einem Panel des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien e.V. aber auch die Schwierigkeiten bei der Rundumversorgung des Verbrauchers mit Diensten und Programmen auf allen Endgeräten, zu jeder Zeit und an jedem Ort.
Lars Friedrichs von SevenOne Intermedia stellte in einem Impulsreferat die Vorteile des neuen von ProSiebenSat.1 angebotenen Teletext-Nachfolgers vor. So gebe es sowohl für den Fernsehzuschauer als auch den TV-Sender einige Vorteile, die der interaktive Bildschirmdienst bereithält. Ob sich in Zukunft alle Blütenträume erfüllen, sei allerdings noch offen. Studien seiner Sendergruppe hätten aber gezeigt, dass der neue Bildschirmdienst immer mehr TV-Zuschauer erreicht und die Nutzung stark ansteigt. Friedrichs prognostizierte anhand der bisherigen Zahlen ein rasantes Wachstum noch für dieses Jahr und kündigte den HbbTV-Service auch für den Sender Kabel 1 an. Die neue Technologie bietet laut Friedrichs auch neue Möglichkeiten der TV-Werbung, die denen der Internetwerbung ähnelt. Dadurch soll es möglich gemacht werden, dass der TV-Zuschauer selbstständig für ihn relevante Informationen übers Internet abrufen kann. Zustimmung erhielt Friedrichs von Joachim Dölken von Kabel Deutschland. Die Themen Individualisierung und Interaktivität würden auch für einen Kabelnetzbetreiber immer interessanter, so Dölken. Aus diesem Grund plane auch sein Unternehmen, neue Dienste wie Pay-TV oder Video on Demand (VoD) anzubieten. Kritisch zu diesen Plänen äußerte sich Sabine Christmann von Sky Deutschland. Sie befürchtet einen Interessenkonflikt, wenn der Kabelnetzbetreiber einerseits Dienstleister für VoD-Dienste ist und andererseits selbst VoD anbietet. Gelassen reagierte Dölken auf den Quasi-Vorwurf von Christmann, die Kabelnetzanbieter würden erst durch die illegalen Downloads von Filmen oder Spielen Gewinn machen, da sich Kabelkunden dann für Breitbandanschlüsse mit schnellen Übertragungsraten beim Netzbetreiber entschieden. Dabei sei es für Kabelbetreiber wie Kabel Deutschland ein Leichtes, zu überprüfen, was da eigentlich an Daten heruntergeladen würde, so die Sky-Vertreterin aus München. Dem widersprach Dölken vehement, da hier der sensible Bereich des Datenschutzes berührt sei und man seinen Breitbandkunden nicht hinterherschnüffeln werde. Selbst bei Fällen wie Kinderpornografie sei das äußerst schwierig. Was die Vermarktung eigener Inhalte betrifft beruhigte Dölken die Sky-Vertreterin. Kabel Deutschland wolle auch in Zukunft vertrauensvoll mit der Bezahlplattform aus München zusammenarbeiten.
Auch für die Radiobranche bedeutet die Digitalisierung eine neue Herausforderung. Frank Hofer von Hitradio RTL sagte, die größte Konkurrenz komme von Web-Seiten, die die Radiosender bündelten und kompakt anböten. Dies verhindere, dass sich der Nutzer über die Homepage der Radiostation ins Programm einklinke, was natürlich ein Problem für die Internetwerbung des Radiosenders sei, da diese vom Nutzer gar nicht mehr wahrgenommen werde. Auch Plattformen wie iTunes müssten von den Medienhütern reguliert werden, wenn diese sich weigerten, bestimmte Sender aufzunehmen. Dem stimmte Martin Deitenbeck von der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien ausdrücklich zu. Bisher habe es aber noch keinen Handlungsbedarf gegeben, so der Medienhüter. Zwar seien Konzerne wie Apple oder Google mächtig. Die EU habe aber im Fall Microsoft gezeigt, dass sie durchaus auch solchen Konzernen Grenzen setzen könne. Zum Thema Regulierung appellierte Dölken an Deitenbeck, auch die Gerätehersteller zu überprüfen, denn diese unterhielten nicht selten eigene TV-Plattformen und verfolgten eigene Ziele. Ungewohnte Einigkeit herrschte hier mit Frau Christmann, die ihrem Kollegen von KDG ausdrücklich zustimmte und forderte, die Gerätehersteller stärker unter die Lupe zu nehmen. Deitenbeck versicherte, dieses Thema weiter zu beobachten, bisher habe es aber noch keinen Verstoß gegeben, der die Medienhüter zum Handeln aufgefordert hätte.
Dass die TV-Sender zunehmend das Internet für sich entdecken, hat die Initiative der zwei deutschen privaten Fernsehkonzerne ProSiebenSat.1 und der RTL-Group gezeigt, die eine gemeinsame Internetplattform für eigene Inhalte planen. Dass diese Initiative vom Kartellamt vorläufig gestoppt wurde, findet Friedrichs ungerecht. Umso mehr, als ARD und ZDF derzeit ein gleiches Modell an den Start bringen wollen. Unerhört findet der Vertreter des Privatfernsehens dabei, dass ZDF-Intendant Schächter in dieser Internetplattform eine Quelle sehe, wo “man nochmal richtig Geld verdienen” könne. Hier müssten schon die gleichen Maßstäbe gelten für alle Bewerber, beklagte Friedrichs.
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