20 Jahre MDR – Reif für die Zukunft
Gepostet am 05. Mai 2011 in Aktuelles, Pressetexte
20 Jahre MDR – Gut gerüstet für die Zukunft
Leipzig, 4. Mai 2011 – Der Mitteldeutsche Rundfunk sieht sich 20 Jahre nach seiner Gründung gut gerüstet für die Zukunft. MDR-Intendant Prof. Udo Reiter sagte auf der Veranstaltung “20 Jahre MDR – Reif für die Zukunft” in der Buchhandlung Ludwig im Leipziger Hauptbahnhof beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland, nach den zehn Jahren der Aufbauphase und den darauf folgenden zehn Jahren der Konsolidierung folge nun die Phase der umfassenden Digitalisierung der Medien, an deren Ende Medien stehen würden, wie wir sie uns heute noch gar nicht vorstellen könnten. Einen ersten Schritt in diese Richtung habe der MDR gemacht, indem der neue Chefredakteur ein trimediales Aufgabenfeld habe, das sowohl Fernsehen, Hörfunk und Internet umfasse.
Dass der MDR einmal eines der erfolgreichsten dritten Programme der ARD werden würde, war im Mai 1991 alles andere als klar. Das machte auch noch einmal Dr. Uwe Grüning, damals Vorsitzender des Rundfunkbeirates und heute Präsident des Medienrates der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien, deutlich. Alles musste sehr schnell gehen, “dabei hatten wir in der Gründungsphase nicht einmal ein Faxgerät und auch nur wenige Telefone”. Bestes Beispiel für die Hektik der damaligen Zeit ist die Anekdote, die Udo Reiter erzählte. Er bekam als damaliger Hörfunkchef des Bayerischen Rundfunks einen Anruf, nach Dresden zu kommen, um etwas zu besprechen. Dort angekommen, wurde er von Grüning gefragt, ob er sich vorstellen könne, Intendant einer neu zu gründenden Rundfunkanstalt zu werden. “Ich hatte immerhin zwanzig Minuten Bedenkzeit”, erinnerte sich Reiter lachend an diese Situation. Grüning erwiderte, auch für ihn sei es ein ziemliches Risiko gewesen, dass sich aber letztlich gelohnt habe.
Was viele am Einigungsvertrag kritisierten, hält Grüning in der Rückschau für einen unschätzbaren Vorteil. Im Einigungsvertrag stand, dass der Deutsche Fernsehfunk bis zum 31.Dezember 1991 abzuwickeln sei. Wenn es diesen Termin nicht gegeben hätte, würden wir womöglich heute noch über die Gründung des MDR debattieren. Ein Nachteil dieser Reglung sei allerdings der enorme Zeitdruck gewesen, waren sich Grüning und Reiter einig. Das führte dazu, dass in der gesamten Führungsriege des MDR zu Beginn bis auf eine Ausnahme alle leitenden Mitarbeiter aus der alten BRD stammten. Dass das eine schwere Hypothek bei den Mitarbeitern war, räumt Reiter heute ein. Deshalb habe er damals an die Mitarbeiter aus den alten Bundesländern die Maxime ausgegeben: “Wir sind die Gäste und nicht die neuen Herren!” Grüning hatte mit diesen Personalentscheidungen weniger Probleme. Ihm sei es wichtig gewesen, so der heutige Präsident der Sächsischen Landesmedienanstalt, keine Leute in der ersten Reihe zu haben, die schon zu DDR-Zeiten an der Spitze standen.
Reiter räumte ein, dass am Anfang nicht immer genau geprüft worden sei, wer alles eingestellt wurde. Das habe zu den Stasi-Skandalen geführt, mit denen der MDR in den Folgejahren zu kämpfen hatte. Diese Probleme habe man aber mit umfassenden Überprüfungen bewältigt. Dass der MDR sich immer wieder auch Kritik an seinem Programm anhören muss, nimmt der MDR-Intendant gelassen. Im Gegensatz zum ORB habe der MDR von Anfang an keinen scharfen Schnitt machen wollen, sondern an bewährte Konzepte aus DDR-TV-Zeiten anknüpfen wollen. Mit dem Spott aus Hamburg, Köln oder München habe er dabei gut leben können. “Heute machen die unsere Konzepte nach”, so Reiter. Jochen Wolff, Ex-Chef der Zeitschrift Super-Illu, gab Reiter hier Recht. Auch sein Blatt habe den Ostalgie-Vorwurf immer lächerlich und beleidigend gefunden, denn die DDR lasse sich nicht auf SED und Stasi reduzieren. Dennoch hatte auch Wolff einen Wunsch an den Intendanten. Der Sender und die ganze ARD müssten ihr Verhältnis zur Quote überdenken. Das bedeute, der öffentlich-rechtliche Rundfunk dürfe sich nicht auf das Niveau der Privaten begeben, sondern müsse nach neuen Antworten suchen, das Publikum zu erreichen – besonders das junge.
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